Sicherer Einstieg
E- Procurement für Einsteiger - Teil 1: Die Beschaffung mit speziellen IT- Lösungen verbessert Prozesse und senkt die Kosten
Das Everest-Desaster, das die Ford Motor Company erlebt hat, liegt erst wenige Jahre zurück. Im August 2004 stoppte der Autobauer aus Detroit die Einführung seines neuen E-Procurement- Systems Everest. Vier Jahre Arbeit und geschätzte 400 Millionen Dollar Entwicklungskosten steckten zu diesem Zeitpunkt bereits in der Softwarelösung. Everest sollte das bestehende Ford Supplier Network ablösen und sämtliche Prozesse rund um die Beschaffung auf eine moderne Basis stellen. Es entpuppte sich als ein Monster, das niemand sinnvoll nutzen konnte. Ford kehrte zu seinem früheren System zurück.
Das Beispiel macht zwei Dinge deutlich: E-Procurement ist ein komplexes Thema und der Erfolg eines E- Procurement- Projektes hängt nicht vorrangig vom Mitteleinsatz ab. Sehr viel wichtiger als genügend Geld ist bei der Umsetzung eine klare Strategie. Die Komplexität muss gebändigt werden. Nicht nur Softwareschnittstellen müssen passen. Das System muss vor allem die Arbeitsprozesse im Unternehmen verbessern. Wer an den bisherigen Unternehmensstrukturen und den Erfahrungen der Mitarbeiter vorbei plant und entwickelt, der darf sich über spätere „Everest"-Überraschungen nicht wundern.
E-Procurement ist die Beschaffung mit Unterstützung von IT-Systemen und Internet. Es ist ein Sammelbegriff für eine ganze Reihe von Werkzeugen, die den Einkauf im Unternehmen effizienter machen können. Die treibenden Kräfte für die Einführung von E-Procurement sind Kostensenkung und Prozessoptimierung. Darüber hinaus ist mit E-Procurement-Tools auch ein besseres Monitoring des gesamten Beschaffungswesens möglich. E-Procurement ist ein Teil der gesamten Wertschöpfungskette. Je enger die Elemente mit den bestehenden Unternehmensplanungssystemen verknüpft sind, desto besser können die Ziele erreicht werden. Eine Integration von E-Procurement mit ERP (Enterprise Resource Planning) und SCM (Supply Chain Management) ist wichtig, wenn die Potenziale der elektronischen Beschaffung in vollem Umfange genutzt werden sollen.

Die Einführung von E- Procurement erfordert Projektmanagement
mehrern Stufen
Nach einer Studie der TNS Infratest Forschung GmbH im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (Stand Juli 2007) wickeln 48 Prozent der deutschen Unternehmen mit mehr als zehn Mitarbeitern ihre Beschaffung online ab. Europäischer Spitzenreiter ist Irland mit einem Wert von 53 Prozent. In den EU15-Ländern sind rund ein Drittel der Unternehmen im E-Procurement engagiert. Nachholbedarf besteht vor allem in Ost- und Südeuropa. In Bulgarien, Lettland und Rumänien werden die Möglichkeiten des E-Procurement bislang kaum genutzt. Italien, Griechenland, Portugal und Spanien erreichen eine Performance von 48 Prozent des westeuropäischen Durchschnitts oder noch weniger. In Italien kaufen lediglich zehn Prozent der Unternehmen online ein. Laut TNS Infratest wird sich Deutschland im Laufe des Jahres 2007 im Blick auf EProcurement weiter verbessern, so dass sich 56 Prozent der deutschen Unternehmen im E-Procurement engagieren werden.
