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Forum: Einkauf und Beschaffung allgemein
 

Qualifizierung im Einkauf und Zielgerichtete Erwartungen an einen modernen Einkauf.

Robert Kroißmayr
22.10.2009, 09:10 Uhr
Den Einsatz von E-Procurement-Werkzeugen zur Rationalisierung.

In der Praxis leiden insbesondere kleinere Unternehmen darunter, dass man sich dort nicht hinreichend um eine differenzierte Betrachtung der Kostenstruktur bemüht - obwohl strategische Überlegungen zur Kostenreduzierung, je nach Branche (und bei Fertigungsunternehmen je nach Fertigungstiefe), sehr interessante und sehr unterschiedliche Möglichkeiten aufzeigen könnten. Insbesondere in kleineren, mittellständischen Unternehmen geht dies vielfach damit einher, dass die in Traditionen verwurzelten Einkaufsabteilungen sich neuen Möglichkeiten nicht öffnen können oder wollen. Der Einkäufer ist nach wie vor Bestellabwickler und Terminjäger, es fehlt an der entsprechenden Qualifikation der Mitarbeiter und die Rolle des Einkaufs innerhalb des Unternehmen schwankt zwischen "grauer Maus" und "Sheriff".

Selbstverständlich findet man aber auch Unternehmen, die mit einer hervorragenden Einkaufs- und Beschaffungsfunktion ihre eigene Wettbewerbsposition nicht nur sichern, sondern auf Dauer ausbauen.

Machen Sie für Ihr Unternehmen eine gedankliche Bestandsaufnahme, wie weit ein neues Verständnis von Einkauf erreicht ist, und prüfen Sie an hand einer Checkliste auch einmal Ihre Rahmenbedingungen:

Da vieles eine Mindestgröße des Unternehmens voraussetzt, sind es - wie bei vielen Fragen der Unternehmensorganisation - vor allem größere Unternehmen, die mit Weitblick und Mut in die notwendige Neuausrichtung des Einkaufs investieren. Das bekannte Argument, entsprechende Strukturen seien im Kleinen nicht möglich, greift aber zu kurz: Die Kleinen können von den Großen lernen, wenn sie die Instrumente an ihre Verhältnisse anpassen.

1. Zielgerichtete Erwartungen an einen modernen Einkauf

Wie weit die Erwartungen an den Einkauf auseinander liegen können, zeigen die Erfahrungen, die ich selbst als Kollege in verschiedenen Unternehmen gemacht habe. Häufig habe ich in den kleineren oder mittleren Unternehmen Situationen vorgefunden, die geprägt waren von einer Einkaufsfunktion als "Pflichtübung" zur Versorgung der existenziellen Unternehmensbedürfnisse.

2. Die Kleinen können von den Großen lernen



Ich wurde immer wieder konfrontiert mit Aussprüchen wie "Mit dem Einkauf habe ich kein Problem, das macht bei uns im Unternehmen meine Frau" oder "Bei wem und zu welchem Preis eingekauft wird, entscheidet bei uns nur der Chef". In den etwas größeren Unternehmen konnte ich hingegen eine tendenziell offene und auf Erfolg ausgerichtete Anforderung feststellen. Die Erwartungen liegen in der Praxis also weit auseinander, aber professionelles Verständnis lässt sich wie folgt umreißen:

ES MUSS VOM EINKAUF ERWARTET WERDEN, DASS ER NEBEN DER ERFÜLLUNG DES MATERIALWIRTSCHAFTLICHEN OPTIMUMS, DEN SO GENANNTEN ,,6 R", AUCH EINEN ZUSÄTZLICHEN UND GEPLANTEN GEWINNBEITRAG ERWIRTSCHAFTET.

3. Gezielte Qualifikationen der Mitarbeiter im Einkauf .

Was sich generell über "gute" Mitarbeiter im Unternehmen sagen lässt, gilt uneingeschränkt auch für den Einkauf. Komplex ist es hingegen, spezifische Anforderungen für diese konkrete Unternehmensfunktion bzw. Abteilung abzuleiten.

Hinzu kommt: So unterschiedlich wie die Unternehmen und ihre Produkte oder Leistungen, so unterschiedlich sind die Anforderungen an die Qualifikationen der Mitarbeiter. Je nach Ausrichtung des Unternehmens, den Gegebenheiten des Beschaffungsmarktes und insbesondere in Abhängigkeit vom einzukaufenden Produkt oder der Leistung sollte der Einkaufsmitarbeiter eine individuelle Qualifikation aufweisen.

Diese Spezialisierung der Mitarbeiterqualifikation stellt sich in der Praxis meistens in Produkt- oder Prozessshow dar. Ein Einkaufsmitarbeiter sollte mindestens wissen, wozu die eingekauften Materialien oder Leistungen im eigenen Unternehmen benötigt werden. Dabei ist es selbstverständlich, dass dem Einkaufsmitarbeiter die eigenen Produkte (zumindest die betreuten) bekannt sein müssen. Die wesentlichen Prozessschritte, die zur Herstellung der einzukaufenden Materialien anfallen, müssen dem Einkaufsmitarbeiter ebenso bekannt sein wie mögliche Alternativen. Es ist dabei nicht relevant, ob es sich um Material, ein Bauteil oder sogar ganze Systeme handelt.

EIN EINKAUFSMITARBEITER BENÖTIGT, UM ALS VER HANDDLUNGSPARTNER ERNST GENOMMEN ZU WERDEN, GUTES BASIS-(FACH-) WISSEN.

Trotz der speziellen Qualifikationen des Einkaufs, die sich am Unternehmensbedarf und am Teilespektrum orientieren, wird vom Einkauf immer auch kaufmännisches Basiswissen verlangt. Im Gegensatz zum Spezialwissen, das meistens technisch orientiert ist, sind die allgemeinen Qualifikationen im kaufmännischen Bereich nicht so sehr auf das Unternehmen, sondern eher auf den Beschaffungsmarkt ausgerichtet. Auch soziale/kommunikative Qualifikationen sind - wenngleich eher genereller Art - nicht weniger wichtig. Nach meinem Eindruck besteht in der Praxis dazu deutlicher Nachholbedarf. Zusammenfassend liefern diese bei den Fragen die Antwort darauf, was an Qualifikationen konkret verlangt wird:

-. Was wird vom Einkauf intern erwartet, und mit welchen Rahmenbedingungen hat sich der Einkauf auseinander zu setzen?

-. Welche Kompetenzen werden in diesem Zusammenhang vom Einkaufsmitarbeiter erwartet?

Individuelle Qualifikation gemäß dem einzukaufenden Produkt

... kaufmännisches Wissen und ...

... kommunikative Kompetenz sind gefragt

Obwohl die grundsätzliche Erwartungshaltung sowohl an den Einkauf als auch an die Einkaufsmitarbeiter sich in den letzten Jahren nicht geändert hat, gibt es eine deutlich spürbare Veränderung. Dadurch, dass der Einkaufer/in Unternehmen und in der Öffentlichkeit immer stärker in den Fokus der Betrachtung rückt, hat die Bedeutung des Einkaufs und die damit verbundene notwendige Qualifikation enorm zugenommen.

In vielen mir bekannten Unternehmen wird gezielt nach "Talenten" für den Einkauf gesucht. Es wird dabei über die klassischen Paramater zur Auswahl eines Einkaufsmitarbeiters hinaus auf Aspekte wie: Umgang mit Menschen, Reaktionen unter Stress und Durchsetzungsfähigkeit geachtet. Einige der früher als typisch für den Verkauf geltende Attribute sind heute im Einkauf ebenso gefragt:

• Internationalität

• überdurchschnittliche Reisebereitschaft

• Offenheit und Spaß am Umgang mit Menschen

• Mehrsprachigkeit

• Empathie und die Fähigkeit sein Gegenüber für sich gewinnen zu können.

Die wichtigste und wohl am deutlichsten zu spürende Veränderung im Einkaufsbereich, ist die ständig ansteigende betriebswirtschaftliche Kompetenz der Mitarbeiter. Nach persönlicher Einschätzung haben in der Zwischenzeit der wachsende Kostendruck und die zunehmende Prozessoptimierung im Einkauf dazu geführt, dass das betriebswirtschaftliche Know-how überdurchschnittlich im Vergleich zu anderen Fachbereichen angestiegen ist.

Besonders deutlich wird die Veränderung durch die früher (vor 2005) im Einkauf eher unbekannte und heute sogar auf Verbandsebene existierende Talentförderung. Aktuell ist die Suche nach "Einkäufer-Talenten" ein Thema mit dem sich viele Personaler und Personalentwickler beschäftigen. In der Zwischenzeit gibt es auch einige sehr interessante Hoch- und Fachhochschulen, die sich der Ausbildung im Bereich Einkauf auf akademischer Ebene genähert haben. Selbst die Qualifizierung bis zum MBA mit Schwerpunkt Einkauf ist möglich.

Neben den Hochschulen haben sich auch am Weiterbildungsmarkt einige interessante und qualifizierte Anbieter zu Einkaufsthemen etabliert. Themenbereiche, die das gesamte Spektrum der Einkaufaufgaben abdecken, werden zwischenzeitlich in ausgezeichneter Qualität angeboten. Von der unterstützenden Ausbildung beginnend bei den Einkaufsgrundlagen über spezielle Themen wie Beschaffungsmarktforschung oder Internetrecherche bis hin zur Unterstützung in der professionellen Verhandlungsführung.

Zur eigenen Qualifizierung suchen Sie die Zusammenarbeit mit der Abteilung Personalentwicklung

In vielen mittelständischen Unternehmen gibt es den Bereich Personalentwicklung bzw. einen Referenten der Personallabteilung, der sich mit dem Thema Mitarbeiterqualifikation / Schulungs- und Seminarwesen beschäftigt. Nutzen Sie das spezifische Know-how dieser Kollege(in)en, um die optimale Qualifizierung für sich selbst zu konzipieren.


Robert Kroißmayr
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Antworten:

buyer
23.10.2009, 12:10 Uhr
Hallo,

gerade durch die Förderung durch KfW oder Prozeus in Deutschland, können auch kleinere KMU sehr erfolgreich E-Procurement-Werkzeuge zur Rationalisierung und Kostensenkung einsetzen.

Das gilt auch für kleinere Lieferanten, welche ihren Kunden ebenso den Service der Großen z.B. mit einem sellside E-Procurement bieten möchten.

Es gibt hier lizenzfreie Produkte, welche man als eigene Plattform schon für unter 100,-€ mtl. anmieten kann. Diese Systeme bieten bereits durch Analyse- und Statistikauswertungen selbst umfangreiche Grundlagen bishin zur Strategieunterstützung bei Verhandlungen.

Somit muss auch nicht jeder Mitarbeiter des Einkaufs hoch qualifiziert sein, gerade E-Procurement ermöglicht auch den Einkauf für den Personenkreis, dessen Aufgaben gerade in kleineren Unternehmen nicht nur ausschließlich im Einkauf liegen.

Im Dienstleistungsbereich sind es oft sogar externe Kostenträger die über diese Systeme bestellen.

Die hohe Mitarbeiter Qualifikation, würde ich eher im Sourcing und Contracting sehen.

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